Verpackung aus Papier

Interview: Was ist eine gute Verpackung?

Verpackungen bringen Lebensmittel unversehrt auf unseren Tisch. Doch welche Materialien sind besonders nachhaltig? Lassen sich Tiefkühlprodukte in Papier verpacken – und gibt es Labels, die den Reifegrad von Früchten anzeigen können? Ein Gespräch mit Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts.


Frau Cheng, zu Beginn die Frage: Was macht eine gute Verpackung aus?

Eine gute Lebensmittelverpackung schützt, was sie enthält. Werden zum Beispiel unverpackte Lebensmittel beschädigt, ist der ökologische Schaden zehnmal höher, als wenn Verpackungsmaterial produziert worden wäre. Da beobachten wir aktuell einen Paradigmenwechsel. Wurden Verpackungen in den vergangenen Jahren stark kritisiert, erleben wir gerade jetzt in Corona-Zeiten, wie wichtig sie sind – auch mit Blick auf die Hygiene. Die besten Lebensmittelverpackungen schützen und lassen sich anschließend ohne viel Aufwand recyceln.

Welche aktuellen Trends gibt es?

Wir sehen, dass Verpackungen aus Papier eine Renaissance erleben. Nicht nur aufgrund ihrer Gewichts- und Volumenvorteile gegenüber Glas und Metall. Sie erobern auch Bereiche, die bislang eine Domäne des Kunststoffs waren – zum Beispiel Tiefkühl- und Fertiggerichte oder Süßwaren. Allerdings ist der Entwicklungsaufwand derzeit noch sehr hoch, etwa bei Verpackungsmaschinen, die für den Packstoff Papier umgerüstet werden müssen, oder der Erforschung von lebensmittelsicheren Barrieren. Eine vollständige papierbasierte Variante ohne Kunststofffilm zu finden, ist eine echte Herausforderung. Das gilt besonders für fetthaltige Lebensmittel wie Schokolade, Saucen oder Fertiggerichte.

Gibt es Beispiele, wo die Entwicklung einer solchen Papierbarriere gelungen ist?

Frosta hat gerade nach dreijähriger Forschung eine Lösung vorgestellt und verpackt seine Tiefkühlkost künftig in Papierverpackungen, die nach dem Gebrauch in der blauen Tonne entsorgt werden können. Zuvor hatten sie für ihre Produkte auch auf Verbundverpackungen gesetzt. Das Problem daran ist, dass die Bestandteile der Verpackungsmaterialien in einer Sortieranlage schwer voneinander getrennt werden können.

Papierverpackung von Frosta
Aus Plastik wird Papier: Frosta verpackt Tiefkühlkost künftig im Papierbeutel (Bild: ©Frosta)

Welche Rolle spielt unser Lebensstil für bestimmte Verpackungen?

Wir haben hohe Ansprüche an verpackte Lebensmittel: Viele Konsumenten möchten nachhaltig leben, aber auf kleine „On-the-go“-Snacks zwischendurch nicht verzichten. Diese Prioritäten beeinflussen die Verpackungsgestaltung. Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt, dass die Lebensmittelversorgung auch in Krisenzeiten stabil bleibt. Warum sollten also bestimmte Produkte so verpackt werden, dass sie anderthalb Jahre gelagert werden können? Auch hier gibt es Ansätze, Mindesthaltbarkeitszeiten zu verkürzen, um auf andere Verpackungsmaterialien umzustellen. Die Verbraucher entscheiden im Supermarkt, was sich durchsetzt. Dafür möchten wir ein Bewusstsein schaffen und suchen im Vorfeld des Tags der Verpackung am 4. Juni 2020 unter #guteVerpackung besonders clevere Verpackungen.

Mit Sleeve- und Bag-in-Box-Lösungen kommen neue, ressourcenschonende Varianten auf den Markt: Welche Verpackungen sind besonders nachhaltig?

Auch hier entscheiden Produkt und Anwendungssituation, wie nachhaltig verpackt werden kann. Vorteilhaft sind nachwachsende Rohstoffe und geringe Materialdicken. Nur soviel, wie nötig. Papier- und Kunststoffanwendungen können inzwischen auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden. Monomaterialien sind ressourcenschonend, da sie im Kreislauf geführt werden können und „mehrere Leben“ haben. Papierverpackungen benötigen im Vergleich zu Kunststoff einen relativ hohen Energieeinsatz bei der Herstellung. Sie können aber gut über den bestehenden Altpapierkreislauf entsorgt und wiederverwendet werden. Kunststoff ist zwar theoretisch auch recycelbar, aber oft nicht zu 100 Prozent. Entsprechende Infrastrukturen, Anlagen und Kapazitäten werden weiter ausgebaut. Mehrweg ist eine gute Lösung, wenn Lieferwege der Produkte und des Leergutes kurz sind, damit der Vorteil von Mehrwegsystemen nicht durch den CO2-Ausstoß langer Transporte aufgehoben wird.

Nudeln in der Papierverpackung
Auch Alb-Gold setzt auf eine ressourcenschonende Papierverpackung (Bild: ©ALB-GOLD Teigwaren/Trochtelfingen)

Wie lassen sich Lebensmittel optimal nutzen?

Die Lebensmittel sollten nach der Ernte möglichst vollständig die Konsumenten erreichen. Ziel ist, dass wenig weggeschmissen wird. Denn Verluste und Verderb sind die wahre ökologische Katastrophe. Laut Welternährungsorganisation gehen dadurch weltweit rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel verloren. Das sind rund 1,3 Milliarden Tonnen. Zu häufig werden gekaufte Lebensmittel nicht verzehrt oder entsorgt, obwohl sie noch genießbar sind. Geeignete Verpackungen können dabei helfen, diese Verschwendung zu reduzieren.

Was bringen die Verpackungen der Zukunft?

Verpackungen werden künftig noch „smarter“ und etwa via QR-Codes mehr Nachverfolgbarkeit und Interaktion mit Konsumenten ermöglichen. Schon heute können bestimmte Labels Reifegerade von Früchten oder die Genießbarkeit von Fleisch anzeigen. Dies wird bald noch flächendeckender und vernetzter möglich sein. Zudem wird das Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewinnen. Das ist kein Trend, sondern eine nicht umkehrbare Entwicklung. Auch im Bereich individuelle Verpackungen gibt es spannende Projekte, z. B. inwieweit Konsumverpackungen durch die Nutzung heutiger digitaler Möglichkeiten für Information und Werbung reduziert werden können. Wir dürfen sehr gespannt sein, ob sich das am Markt durchsetzt.

Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts

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