Eine Sammlung von Papiertüten, Pappen und einem Eierkarton

Warum verbrauchen wir Deutschen so viel Papier?

Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Papier. Wir erklären, was dahintersteckt.

Wir Deutschen verbrauchen mit rein rechnerisch 240 Kilo pro Kopf mehr Papier als viele andere Länder. Im Vergleich der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) liegt Deutschland an der Spitze. Auf Platz zwei und drei folgen die USA mit 211 Kilo und Japan mit 210 Kilo Papier pro Kopf. Was steckt hinter diesen Zahlen? Lesen wir so gerne? Schreiben wir so viel? Warum ist unser Verbrauch so hoch?

Als Exportnation benötigen wir mehr Industrieverpackungen als andere Länder.

Papier, Karton und Pappe spielen im gesamten Handel, aber vor allem auch beim Export von Produkten „Made in Germany“ eine bedeutende Rolle. Ob Kraftwagenteile aus Bayern, Porzellan aus Meißen oder Nahrungsmittel aus Niedersachsen – Verpackungen aus Papier sind die nachhaltigste Variante, um diese Waren sicher ins Ausland zu bringen. Weil wir zu den exportstärksten Ländern der Welt gehören, benötigen wir besonders viele Industrieverpackungen. Aber auch deutsche Papierprodukte sind im Ausland begehrt, zum Beispiel hochwertige Inkjetpapiere oder Verpackungen für Lebensmittel.

Schaut man sich nur die Papiermenge an, die tatsächlich durch die Hände des einzelnen Verbrauchers geht, dann liegen wir bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 100 Kilo.

Fest steht aber auch, dass das enorme Wachstum des Online-Handels die Menge an Verpackungen deutlich erhöht hat. 1996 waren für den Versand an Privathaushalte 120.000 Tonnen Papier, Pappe und Kartons nötig, 2015 waren es schon 769.000 Tonnen. Hier kann jeder Verbraucher selbst aktiv werden und sich fragen: Welche Waren muss ich wirklich online bestellen und zu mir schicken lassen und welche kann ich genauso gut direkt im Laden kaufen?

Wir haben eine vielfältige Presselandschaft.

Was Deutschland von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist die große Bandbreite an Zeitungen und Magazinen, mit deren Hilfe sich viele Bürgerinnen und Bürger informieren. Neben bundesweit erscheinenden Titeln setzt sich unsere Presselandschaft aus einer Vielzahl von Lokal- und Regionalmedien zusammen. Ihre unabhängige Berichterstattung ist ein zentraler Baustein unserer Demokratie.

Logisch: Länder ohne freie Presse benötigen natürlich auch weniger Zeitungspapier. So ist der Verbrauch an Zeitungspapier in China nur anderthalb Mal so hoch wie in Deutschland, obwohl zwölf Mal so viele Menschen dort leben.

Die zunehmende Digitalisierung hat aber auch bei uns dazu geführt, dass der rechnerische Pro-Kopf-Verbrauch an Druck-, Presse- und Büropapieren rückläufig ist. 2011 lag er bei 110 Kilo, 2018 nur noch bei 90 Kilo. Wäre es also nachhaltiger, wenn wir Nachrichten nur noch online lesen würden?

Mal abgesehen davon, dass viele Leser lieber Zeitungspapier in der Hand haben: Auch die digitale Mediennutzung – wie überhaupt jede Form der elektronischen Kommunikation – hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Hinter scheinbar virtuellen Produkten steckt eine aufwändige Infrastruktur, die jede Menge Strom frisst. Digitaltechnologien sind mittlerweile für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, wie eine neue Studie des französischen Thinktanks „The Shift Project“ zeigt. Wer seine Zeitung nach dem Lesen im Altpapier entsorgt, macht also nichts falsch.

Wir setzen auf Papier als nachhaltigen Werkstoff.

Inzwischen schätzen wir Papier in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens als umweltfreundlichen Werkstoff. Beispiel: Einkaufstasche. Am nachhaltigsten ist es, einen Beutel aus Stoff zu verwenden und diesen immer wieder zu nutzen. Wer einen solchen Beutel im Supermarkt gerade nicht zur Hand hat, findet in der Papiertasche eine umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte. Wird die Papiertasche nach der – im Idealfall mehrfachen – Nutzung in die Blaue Tonne geworfen, gelangt sie sogar zurück in den Recyclingkreislauf. Weitere Alltagsgegenstände, bei denen wir inzwischen immer häufiger auf Papier setzen: Trinkhalme oder Obstverpackungen. Viele Produzenten entscheiden sich für diese ökologisch vorteilhafte Variante.

Wir verwenden Papier mehrfach.

Wir in Deutschland sind Recyclingweltmeister und haben mit 76 Prozent im globalen Vergleich die höchste Recyclingquote. Für die Produktion von 100 Kilo Papier werden im Schnitt 76 Kilo Altpapier eingesetzt. Da kommt kein anderes Land drüber! Trotzdem zählt auch dieses Papier in der Statistik natürlich als verbrauchtes Papier. Tipp: Jeder Verbraucher kann mit der richtigen Mülltrennung dafür sorgen, dass der Recyclingkreislauf weiter funktioniert. Welche Sachen aus Papier in welche Tonne gehören, erklären wir in diesem Artikel.

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