Luftbild eines Nadelwaldes

Wie nachhaltig ist Papier?

Für die Herstellung von Papier werden neben Holzfasern auch Energie und Wasser benötigt. Wie nachhaltig ist die Produktion in Deutschland und was passiert nach der Nutzung mit dem Papier? 10 Fragen und Antworten rund um Papierherstellung und Recycling.

1. Für die Papierproduktion werden Bäume gefällt – was ist daran nachhaltig?

Holz ist ein Rohstoff, der nachwächst. Wird Holz in verantwortungsvoller Weise aus dem Wald entnommen, bleibt das ökologische Gleichgewicht erhalten. Die Papierindustrie ist meist Sekundärnutzer, denn das Stammholz ausgewachsener Bäume ist viel zu wertvoll für die Herstellung von Papier. Es wird für den Hausbau oder die Möbelfertigung verwendet. In der Papierproduktion kommen Sägewerksabfälle und sogenanntes Durchforstungsholz zum Einsatz. Bei der Durchforstung nehmen Forstwirte schwächere Bäume aus dem Wald heraus, um den übrigen Bäumen bessere Wachstumschancen zu geben. Die Holzfasern, die in Deutschland für die Papierherstellung genutzt werden, stammen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

2. Muss Holz importiert werden, um den deutschen Papierbedarf zu decken?

Für die Papierherstellung wird Zellstoff aus unterschiedlichen Fasern benötigt. Nicht alle wachsen in unseren heimischen Wäldern. Deshalb importiert die deutsche Papierindustrie neben Holz und Zellstoff aus dem europäischen Ausland auch Zellstoff aus dem außereuropäischen Ausland. Bei allen Lieferanten ist nachhaltige Forstwirtschaft sichergestellt: Die deutsche Papierindustrie ist Mitglied in den beiden Zertifizierungssystemen für nachhaltige Forstwirtschaft PEFC und FSC.

In tropischen Regionen wird Eukalyptus als besonders schnell wachsender Baum für die Zelluloseproduktion angepflanzt. Die Lieferanten der deutschen Papierindustrie betreiben Eukalyptusplantagen auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen, die nicht mehr produktiv genug waren. Dafür wurde kein Regenwald gerodet! Ein großer Teil der von Deutschland importierten Zellstoffe stammt aus Südamerika. Es gibt Regionen, in denen Regenwald für den Eukalyptusanbau gerodet wird, zum Beispiel Indonesien. Aus diesen Regionen bezieht die deutsche Papierindustrie jedoch keine Rohstoffe.

3. Gibt es Alternativen zu Holz als Rohstoff für die Papierproduktion?

Es gibt viele tolle Alternativen zu holzbasiertem Papier, aber für die Nutzung im industriellen Maßstab sind diese Rohstoffe bislang nicht geeignet. Papier lässt sich im Prinzip aus jeder Pflanzenfaser herstellen. Was die Festigkeit seiner Fasern angeht, ist Holz bislang allerdings unschlagbar. Damit lassen sich stabile Papiere und Kartons fertigen, die im Anschluss auch noch super recycelt werden können. Allerdings wird in der Papierindustrie in vielen erfolgversprechenden Projekten getestet, wie sich andere nachhaltige Fasern wie Gras, Hanf oder Stroh in der Papierherstellung einsetzen lassen.

4. Wie viel Energie wird für die Papierproduktion aufgewendet?

Der Prozess der Papierherstellung ist energieintensiv. Der größte Teil der Energie wird benötigt, um die Maschinen anzutreiben und den flüssigen Faserbrei, aus dem das Papier hergestellt wird, zu trocknen. Der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) zieht in einem Leistungsbericht Zwischenbilanz: Lag der Energieverbrauch in Europa 1955 bei rund 8.200 Kilowattstunden pro Tonne Papier, liegt er heute nur noch bei rund 2.650 Kilowattstunden. Das sind 67 Prozent weniger.

60 Prozent der in der europäischen Papierindustrie eingesetzten Energie stammen inzwischen laut VDP aus erneuerbaren Quellen. So werden zum Beispiel in vielen Fabriken Faserrückstände thermisch verwertet, um daraus Energie für den Produktionsprozess zu gewinnen. Um den Energieaufwand weiter zu verringern, forscht die Papierindustrie unternehmensübergreifend an der klimaneutralen Produktion.

5. Wie viel Wasser wird für die Papierherstellung benötigt?

Im Schnitt liegt der Wasserbedarf heute bei etwas weniger als neun Litern pro Kilogramm Papier, wie der Verband Deutscher Papierfabriken durch eine Mitgliederbefragung ermittelt hat. Wasser wird in der Papierindustrie für eine ganze Reihe von Prozessen benötigt, im Wesentlichen aber für den Transport der Zellulose und Altpapierfasern auf der Papiermaschine.

Die Papierfabriken in Deutschland gehen verantwortungsvoll mit der so wichtigen und sensiblen Ressource Wasser um. Sie arbeiten daran, ihren Wasserbedarf kontinuierlich zu verringern und die Aufbereitung des Brauchwassers weiter zu verbessern. Schon heute werden nur noch knapp 20 Prozent der Abwässer aus der Papierproduktion – nach einer Vorreinigung – an kommunale Kläranlagen abgegeben. Die restlichen 80 Prozent werden in modernen betriebseigenen Anlagen gereinigt und zu großen Teilen wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt.

6. Wie groß ist der CO2-Fußabdruck einer Papierfabrik?

Der Fußabdruck einer Papierfabrik hängt natürlich sehr stark von der Produktionsmenge ab. Besser vergleichbar ist der CO2-Ausstoß pro Tonne Papier: 2018 lag der in Deutschland bei 610 Kilogramm. 1995 waren es noch 955 Kilo gewesen. Der CO2-Ausstoß pro Tonne konnte also um 36 Prozent verringert werden. Das reicht aber noch nicht. Deshalb arbeitet die Papierindustrie in unternehmensübergreifenden Forschungsvorhaben an der CO2-neutralen Produktion.

7. Wie hoch ist die Papier-Recyclingquote in Deutschland?

Wir in Deutschland sind Weltmeister im Papier-Recycling. Die Quote liegt dem Verband Deutscher Papierfabriken zufolge bei 76 Prozent. Das heißt: Für die Produktion von 100 Kilo Papier werden im Schnitt 76 Kilo Altpapier und 24 Kilo frische Holzfasern eingesetzt.

Um Altpapier für die Herstellung von neuem Papier nutzbar zu machen, sind verschiedene Reinigungsschritte und Aufbereitungsverfahren nötig. Dabei gehen zwangsläufig Fasern verloren oder büßen an Qualität ein. Um den Papierkreislauf aufrechterhalten zu können, müssen also immer wieder frische Fasern zugeführt werden. Die Holzfasern im Papier lassen sich im Schnitt sechs Mal wiederverwerten.

8. Papier wird häufig mit Lacken oder Klebstoffen versehen – kann es dann noch recycelt werden?

In der Regel schon. Beim vermeintlichen Lack handelt es sich in den meisten Fällen um Druckfarbe oder um eine Oberflächenbeschichtung aus Latex. Die damit versehenen Papierprodukte können ohne Probleme recycelt werden. Auch Kleber oder Kunststofffenster in Briefumschlägen lassen sich in normalem Umfang mitverarbeiten. Sie werden im Reinigungsprozess automatisch aussortiert. Die Kunststoffhüllen von Postwurfsendungen sind so perforiert, dass sie in der Aufbereitungsanlage aufreißen, die enthaltenen Prospekte freigeben und anschließend von den Fasern getrennt werden können. Tipps für die richtige Entsorgung von Papierprodukten liefern wir in diesem Artikel.

9. Ist Papier immer biologisch abbaubar?

Ja. Zellulose ist chemisch eine besondere Art von verknüpftem Zucker. Es gibt sehr viele Mikroorganismen, die diesen Zucker relativ schnell abbauen können. Gebrauchtes Papier sollte jedoch – sofern es nicht verschmutzt ist – gesammelt und wieder zu neuem Papier verarbeitet werden. Verschmutztes Papier, das zum Beispiel mit Wandfarbe oder Pizzasoße bekleckert ist, gehört in den Hausmüll. Dort erhöht es den Brennwert des Mülls.

10. Woran erkenne ich nachhaltig produziertes Papier?

Papier ist in Deutschland ein nachhaltiges Produkt, egal ob es aus Frischfasern, Recyclingfasern oder alternativen Fasern hergestellt wurde. Zertifikate geben dem Verbraucher weitere Sicherheit. Die deutsche Papierindustrie ist Mitglied bei den beiden großen Zertifizierungssystemen für nachhaltige Forstwirtschaft: dem „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC) und dem „Forest Stewardship Council“ (FSC). Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung, kennzeichnet Papierprodukte aus 100 Prozent Altpapier.

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